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Khavtgai/Wildkamel

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Eine sehr spezielle und hochinteressante Form der Grosskamele ist das zweihöckrige Wildkamel, welches in winzigen Restbeständen in China und der Mongolei vorkommt. Obwohl schon 1878 von Oberst Przewalski auf seiner Zentralasien-Expedition im Auftrag des russischen Zaren als eigene Tierart beschrieben wurde, galten diese Tiere bis Anfang der Neunziger als ausgestorben bzw. als nicht existent. Dies galt zumindest für die Wissenschaft, denn die Nomaden in der Mongolei und China haben schon von Alters her zwei verschiedene Namen für das Hauskamel/Trampeltier und das Wildkamel/Khavtgai. Dass es sich eindeutig um verschiedene Tierarten handelt, ist gut an bestimmten äusseren Merkmalen zu erkennen, auch wenn beide Formen zwei Höcker besitzen. Auch die Vermutung, dass es sich „nur“ um verwilderte Haustiere handelt (wie die australischen Dromedare) konnte mittlerweile durch DNA-Analysen widerlegt werden. Das bedeutet, dass vor gerade einmal 20 Jahren ein mehrere hundert Kilo schweres Landsäugetier neu entdeckt bzw. wieder entdeckt wurde.

Im Gegensatz zu 17 Millionen Dromedaren und 2 Millionen Trampeltieren wird der momentane Bestand an Wildkamelen auf höchstens 900 Tiere weltweit geschätzt. Damit zählt das Wildkamel zu einer der am stärksten bedrohten Grosstierarten überhaupt. Derzeit wird kein einziges Exemplar dieser Tiere in einem Zoo oder sonst in menschlicher Obhut gehalten. Lediglich in der südlichen Mongolei nahe der chinesischen Grenze existiert ein Forschungsgehege, welches von der englischen Wild Camel Protection Foundation finanziert, und von den mongolischen Behörden verwaltet wird. Leider wird die hier gehaltene, ca. 20köpfige Khavtgai-Herde wenig professionell betreut, wodurch ernsthafte Forschungsarbeit oder gar ein Beitrag zur Arterhaltung eher nicht erwartet werden darf. Ausserdem sind die Herdenmitglieder zum Teil eng miteinander verwandt und Einzeltiere sind offensichtlich sogar Hybriden (mit Trampeltieren).

Das Gehege liegt am Rand des Nature Reserve «Great Gobi Strictly Protected Area/Gobi A», welches das winzige Restverbreitungsgebiet der Khavtgais in der Mongolei darstellt. Leider sind die Kontakte zu China, welches auf der anderen Seite der Grenze die einzigen weiteren Wildkamele der Welt beherbergt, eher schwierig. Eine echte Zusammenarbeit, welche für das Überleben der Wildkamele grundlegend wäre, wird es wahrscheinlich in nächster Zeit nicht geben. Die einheimische Bevölkerung scheinen diese Tiere ebenfalls wenig zu interessieren und selbst Angestellte, die für den Schutz der Wildkamele zuständig sind, stehen in den seltensten Fällen wirklich hinter dem Projekt. Auch ausländische Umwelt- und Artenschutzorganisationen kümmern sich bisher wenig um die Khavtgais.

Auch nur wenige Wissenschaftler haben sich bisher  mit den wilden Verwandten von Dromedar und Trampeltier auseinandergesetzt. Eine Ausnahme ist der österreichische Wildbiologe Chris Walzer, welcher einige Tiere besendert hat und ihnen Implantate zur Messung verschiedener Körperfunktionen eingesetzt hat. Der Wild Camel Protection Foundation fehlt leider der wissenschaftliche Hintergrund, aber durch grosses persönliches Engagement haben John Hare und seine Mitarbeiter mit Hilfe von Büchern, Filmen und Vorträgen die Tierart Wildkamel bekannt gemacht.

Den meisten Laien scheint das Verschwinden dieser an extremste Lebensbedingungen angepassten Tiere ohnehin nicht aufzufallen. Da durch die Ähnlichkeit zum Trampeltier, welches in jedem Zoo und Circus gehalten wird, wahrscheinlich der Eindruck entsteht, dass Kamele nicht zu den bedrohten Tierarten gehören können.

In ihrer Heimat sind neben Wilderern (ihres Fleisches wegen) und Nomaden, die sie als Konkurrenten für ihre Hauskamele sehen, vorallem die Lebensraumzerstörung ihr grösstes Problem. Vorallem seid wertvolle Bodenschätze in der Wüste Gobi entdeckt wurden, werden selbst die unwirtlichsten Wüstengebiete wirtschaftlich interessant.

Ausgerechnet das Gebiet um den Lop Nor-Salzsee, welches zu den letzten Zufluchtsorten im chinesischen Teil des Verbreitungsgebiets zählt, wurde lange Zeit für unterirdische Atomtests genutzt. Solche Aktivitäten wirken sich sicher zusätzlich negativ auf das Fortbestehen dieser Tierart aus.

Zu guter Letzt kommt es auch immer wieder zur Vermischung mit frei umherziehenden Trampeltieren, so dass früher oder später sogar eine «Ausrottung über das Erbgut» möglich wäre.

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